Paradiesgasse 13, Frankfurt, Alt-Sachsenhausen

Das Dreifamilienwohnhaus steht am 1500 Jahre alten fränkischen Handelsweg, der im Mittelalter unmittelbar in die Furt mündete. Aktuell entsteht in der Paradiesgasse eine Kulturmeile. Der Kuhhirtenturm (Teil der Stadtbefestigung) wird als Hindemith-Museum genutzt, der Paradieshof derzeit zu einem Kabarett-Theater ausgebaut.

Neues Bauen in alter Umgebung: Der 8 m breite Baukörper greift die Typologie der Wohnhäuser des Viertels auf. Der Betonkörper schiebt sich auf drei Ebenen in den Straßenraum hinein und nutzt den Luftraum. Flankiert wird er beidseitig von historisierenden Wohnhäusern. Das 143 m² große Trümmergrundstück galt mit seinen 3 Fluchtwegen aus dem Nachbarhaus als nicht bebaubar. Die Fluchtwege werden eingearbeitet und bestimmen maßgeblich den Grundriss. Auf sechs Ebenen sind zwei Arbeitswohnungen und eine Maisonette-Wohnung eingerichtet, vier Etagen sind barrierefrei. Lichtachsen in jeder Ebene lassen den Durchblick durch das gesamte Haus zu.

Mit Aufzug und 2 Garagenplätzen ist ein Niedrig-Energie-Haus entstanden. Mit wenigen Handgriffen könnten 6 Einzelwohnungen entstehen oder - durch das Versetzen nur einer Tür - in den 3 oberen Etagen eine 200 qm Familienwohnung.

Der winzige Garten wird mittels einer grünen Wand in die Höhe gezogen. Fragmente eines Sandsteinkellers, eine vom Nachbarn benutzte Ruinenwand und ein schmaler Brunnen ergeben eine kleine, mediterrane Oase.

Nahe der Frankfurter Altstadt zeigt das gotische Betonhaus in der zukünftigen „Sachsenhäuser Puppenstube“, dass zeitgemäße Materialien Formen zulassen, die sich mit dem mittelalterlichen Formen-Repertoire gut vertragen.

Auftraggeber: privat, BGF 450 m², Planung und Ausführung (LPH 1-9)

Deutsche BauZeitschrift 11/2014 "Urbanes Bauen" Standpunkt Marie-Theres Deutsch

Presseartikel Juli 2012 Frankfurter Allgemeine Zeitung

Presseartikel Juni 2012 Frankfurter Rundschau

HR Interview mit der Architektenkammer Hessen

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Fotos: Barbara Staubach